Presse: „Architekturzeit 09”
Deutsches Architektenblatt Oktober 2009
Die Architekturzeit 2009 der Architektenkammer Karlsruhe Stadt widmete sich dem Dialog bei der städtebaulichen Planung. Unter den zahlreichen Besuchern der Veranstaltung, die sich Gebäude der ehemaligen Drogerie Roth in der Herrenstraße eingefunden haben, war auch ein rundes Dutzend Stadträte und viele Funktionsträger aus der Verwaltung. Der geplante öffentliche Charakter der Veranstaltung mit der auf der Herrenstraße aufgebauten Bühne wurde leider durch das schlechte Wetter geschmälert.
Andreas Grube, Vorsitzender der Kammergruppe Karlsruhe-Stadt, sieht die Diskussionskultur „auf einem guten Weg”, ebenso Baubürgermeister Michael Obert, der in seinem Grußwort darauf hinwies, dass Karlsruhe den Diskurs benötigt, der aber noch intensiver betrieben werden muss.
Viele Entscheidungen in einer Stadt werden ohne ausreichenden Dialog von oben herab getroffen. Darüber herrschte bei den Podiumsteilnehmern Einigkeit. Der Architekt Dieter Ben Kauffmann sieht dieses Problem beim Beispiel „Stuttgart 21” und meint, dass „wenn man den Zeitpunkt verpasst, in die Öffentlichkeit zu gehen, wird man von der Lawine rückwärts überrollt.”
Durch die vielen Interessengruppen, die an einem Planungsprozess beteiligt sind, „führt kein Weg am Dialog vorbei”, mein Norbert Käthler, Geschäftsführer der Karlsruher Stadtmarketing GmbH. Die Entscheidungsgewalt sieht Beatrice Soltys, die Fellbacher Baubürgermeisterin allerdings bei dem Bürgermeister mit Unterstützung des Gemeinderates. Uwe Hochmuth, der als Kämmerer und Projektleiter für Sonderaufgaben bei der Stadt an vielen Entscheidungen beteiligt war und heute Prorektor der Hochschule für Gestaltung ist, sieht den enormen Einfluss bei Entscheidungen innerhalb der Stadt auf Seiten der Investoren, mit denen sich die Stadt auseinandersetzen muss. Am Beispiel des ECE-Centers Ettlinger Tor erklärte er auf die Frage von Susanne Kaufmann (SWR2), dass die Verhandlungen oft zäh seien.
Als weiteres Beispiel für den notwendigen Dialog in Karlsruhe wurde die Stadion-Debatte angeführt. Investoren sind oftmals in einer stärkeren Position, so Uwe Hochmuth, und verlangen von der Stadt als Verhandlungspartner einiges ab. Es gilt hier zu versuchen, auf Augenhöhe zu verhandeln und auch mal „selber Forderungen zu stellen und ruhig einmal zu pokern”, stimmt Beatrice Soltys zu.
In einem solchen Dialog, bei dem es um die Projekte geht, die das Stadtbild und auch die Stadtentwicklung auf lange Zeit prägen und bestimmen, sieht Ben Kauffmann den Gestaltungsbeirat, den es in Karlsruhe seit 2006 gibt, als wichtiges Instrument. Wichtig sei allerdings, dass die Experten von weit außerhalb kommen, da sie nur dann ein neutrale Sicht haben.
Norbert Käthler meinte, dass nicht bei jeder Entscheidung Bürgerbeteiligung hilfreich ist. „Man sollte Bürger so weit einbinden, wie sie kompetent sind”, so Käthler. Nicht alles könne mit einem Dialog geklärt werden, es sei auch richtig und wichtig, sich bei bestimmten Themen und Entscheidungen auf Fachleute zu verlassen, meinte Hochmuth ergänzend dazu.
In der nachfolgenden Diskussion konnte weiter auf die Gegebenheiten und den Dialog speziell zu den Karlsruher Themen eingegangen werden, auch unter Beteiligung der zahlreichen Gäste.
Die Architekturzeit ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung des Arbeitskreises amPuls der Architektenkammer Karlsruhe-Stadt, die sich den aktuellen Fragen von Stadtplanung, Architektur und Baukultur widmet.
Markus Motz
Veröffentlicht am 6. Oktober 2009 im Bereich Architekturzeit 2009 | pe